Adel in Polen - Eine Nachlese

von Christian Bruno von Kłobuczynski M.A.

IBR - Institut für angewandte Biografie- und Familienforschung,

Christian Bruno von Ktobuczynski M.A., Weserstraße 38-40, D-34125 Kassel, Tel.: +49 / 561 / 9700544 Fax.: +49 / 561 / 9700545 Handy: +49 / 162 / 9872813, www.ibf-kassel.de

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Kłobuczynski, von, Christian Bruno: „Adel in Polen - Eine Nachlese“, Artikel, in: WIKIa Szlachta [Onlinefassung]; URL: http://www.de.szlachta.wikia.com/, Zugang .. . .. . 20.. .


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Mit großer Freude vernahm ich die Mitteilung, dass im Deutschen Adelsblatt eine Serie zum polnischen Adel erscheinen soll. Ich war gespannt auf den Beitrag, ist dieses Thema für das Verhältnis des Adels und der Bevölkerung beider Länder von nicht geringer Bedeutung. Beim Lesen wich die Freude aber bald der Ernüchterung. Was blieb war der Respekt vor dem Autor, der sich dieses schwierigen Themas annahm und mit Fleiß und hohem Zeitaufwand die Geschichte Polens und des historischen polnischen Adels skizzierte.

Ich habe lange über den Beitrag nachgedacht und mich gefragt, warum es so schwierig ist das Thema in seiner Tiefe zu erfassen und so zu bearbeiten, dass sich die Betroffenen wiedererkennen können. Vielleicht wäre es eine Aufgabe für einen „polnischen Preußen", der als Vermittler zwischen beiden Kulturkreisen lebt und es versteht wie ein Deutscher zu denken und wie ein Pole zu fühlen.

Diese Nachlese möchte nun als Ergänzung, als konstruktiver Beitrag, als Fortsetzung eines Diskurses betrachtet werden, der den Wunsch hat beide Nationen einander näher zu bringen.

Der Autor der Serie, Georg Michael Klausa, unternimmt primär den Versuch einer juristischen Bewertung, entwickelt eine hierarchische Struktur, weist auf Größenverhältnisse und Zusammensetzung hin und beantwortet schließlich die Frage nach Titeln. Für uns durchaus eine sinnvolle Herangehensweise, geht es doch auch um einen Vergleich des deutschen Adels mit dem Adel anderer Länder. Im Fall des polnischen Adels ist diese Vorgehensweise vielleicht nicht ausreichend, da das Verhältnis beider Nationen historisch belastet ist und alte Vorurteile aufgewärmt werden könnten. Als Bürger einer modernen Republik sollten wir die polnische Gesellschaft nicht vor dem Hintergrund absolutistischer Machtverhältnisse bewerten, sondern das Besondere und Vorbildhafte der damaligen polnischen Republik herausarbeiten. Die Literatur ist bereits voll von Bewertungen der „Adelsanarchie" in Polen und dem Unvermögen der polnischen Republik sich selbst zu erhalten. Überlassen wir es also den Polen ihre eigene Geschichte zu hinterfragen und schauen wir nach dem, was bisher nicht bedacht wurde.

Wir müssen davon ausgehen, dass wir es mit unterschiedlichen historischen und kulturellen Referenzrahmen zu tun haben, wenn wir den deutschen und polnischen Adel betrachten. So kommen deutsche und polnische Historiker auch zu unterschiedlichen Bewertungen, wenn es beispielsweise um die Geschichte Polens und seiner Territorien geht. Wir sollten uns Polen als eine große Union vorstellen, in welcher unterschiedliche Nationalitäten lebten, das Bürgerrecht aber nur einer Schicht, dem Adel zustand. Dieser war heterogen in seiner Herkunft, fruchtbar dynamisch in seiner Verbreitung und orientiert an einer Ideologie, die wie ein Bindemittel die adlige Gesellschaft zusammenhielt. Das eigentliche Polen, die sogenannte „Krone", bestand zudem im wesentlichen nur aus Groß- und Kleinpolen. Die Union ist also nicht identisch mit dem heutigen polnischen Nationalstaat.

Der deutschsprachige Teil im Norden gehörte als „Preußen königlichen Anteils" und „Herzogtum Preußen" zu dieser Union, hatte aber eine gewisse Selbständigkeit. Das Herzogtum Preußen schied 1657 durch den Vertrag von Wehlau aus der polnischen Union aus und wurde unter König Friedrich II. in Preußen 1773 durch Annexion mit dem Preußen königlichen Anteils „wiedervereinigt". So hat er es zumindest selbst gesehen. Sein Großvater setzte sich die Krone noch mit Erlaubnis Polens aufs Haupt. Seine preußischen Kernlande gehörten übrigens nie zum „Hl. Römischen Reich Deutscher Nation". Erst mit der Reichsgründung 1871 wurden diese Territorien deutsch, was von der polnischsprachigen Bevölkerung nicht gerade begrüßt wurde.

Viel hängt also von der eigenen Wahrnehmung ab. So mutierte das polnische Hochstift Ermland, welches 1/3 der eigentlichen Bistumsfläche ausmachte, in der deutschen Wahrnehmung zum deutschen Fürstbistum. Das mit der Reformation das Bistum zu 2/3 evangelisch wurde und der Bischof sich auf das polnische Hochstift zurückziehen musste, verschärft den Gegensatz. So waren die ermländischen Bischöfe nachweislich Senatoren im polnischen Sejm und gleichzeitig Vertreter der polnischen Krone in den Wojewodschaften des Königlichen Preußens.

Der Gegensatz macht sich z.B. auch an der Frage fest, ob Niklas Koppernigk tatsächlich ein Deutscher oder ein Pole war. Er selbst hat keinen Satz auf polnisch hinterlassen, sprach eine deutsche Mundart und hinterlies seine Schriften auf Latein. War er somit ein Deutscher? Er selbst bezeichnete sich nachweislich als Preuße und zweifelsfrei gehörte der Boden auf dem er ging zur polnischen Union. Er wurde in den polnischen Adel aufgenommen und gehörte auch als Domherr und Administrator im domkapitularen Kammeramt Allenstein zum geistlichen Adel Polens. Es ist also schwierig vor dem Hintergrund moderner nationaler Interessen und überlappender Kulturkreise ein objektives Bild der Vergangenheit zu zeichnen. Was wir feststellen können und auch festhalten sollten ist, dass deutsches, preußisches und polnisches Adelsrecht parallel existierten und bestimmten Personen mehrfach zustand. So hat ein Großteil des altpreußischen Adels auch den polnischen Adel erhalten, wie Sejmbeschlüsse belegen.

Bei meinen Arbeiten zum polnischen Adel sind mir bestimmte Aspekte und Begrifflichkeiten aufgefallen, die ergänzend von Bedeutung sein dürften. Historisch betrachtet haben wir es beim alten Polen der Piasten um einen Überschichtungsstaat zu tun. Der polnische Adel, eine Kriegerkaste, entwickelte sich vermutlich aus slawischen, awarischen, wikingischen und germanischen Reitern die, wie von Georg Michael Klausa bereits erwähnt wurde, nach dem altgermanischen „slahta" (Geschlecht) auch „Szlachta" genannt wird. Diese Reiter zogen mit ihrem Herzog umher, schwangen sich zu den Herren einer bäuerlichen slawischen Bevölkerung auf, die sie wiederum als „Kmetonen" bezeichneten. Diese waren die eigentlichen „Poleni" (Feldbewohner) die bis zu den polnischen Teilungen leibuntertänig waren und keinerlei Rechte besaßen.

Der Adel übernahm deren Namen und nutzte ihn als Eigenbezeichnung. Als Pole wurde schließlich nur der Bürger der polnischen Adelsnation bezeichnet. Als weitere Bevölkerungsteile traten die vom Adel ins Land geholten deutschen Siedler und aufgenommene jüdische Flüchtlinge. Mit den deutschen Siedlern kam auch deutsches Recht ins Land. So galten in Polen Magdeburgisches Recht für Städte und Rittergüter und Kulmisches Recht für kleinere Güter und die meisten Dörfer. In Preußen gab es für die Freigüter der „Libertini" auch das ältere Preußische Recht. Polen wurde also stark durch die deutsche Kultur geprägt, was durch den Adel in den Randregionen gefördert wurde.

Andererseits entwickelte sich aus dem ursprünglich westlich und katholisch geprägten Adel eine Formation, die schwer mit westlichen Vorstellungen in Übereinstimmung zu bringen ist. So sind neben dem Adelsrecht noch weitere Begriffe abzuarbeiten, die für das Verständnis des polnischen Adels von Bedeutung sind: Gleichheit, Sarmatismus, Freiheit, Toleranz und Intelligenz.

Zuerst nochmals zum Adelsrecht. Der polnische Adel ist ein Blutadel. Er wird von beiden Eltern auf die Kinder übertragen. Das Indigenat, also die Aufnahme eines ausländischen Adligen in die polnische Adelsnation, war mit dem Erwerb der Staatsbürgerschaft identisch. Kein Nichtadliger war Staatsbürger, konnte wählen oder gewählt werden. Das Indigenat war mit dem Inkolat, also der Erlaubnis ein Gut zu erwerben verbunden. Die Nobilitation ist dagegen kein einfacher Akt, sondern ein Prozess der über mehrere Generationen andauert.

Die Nobilitierten erwarben das Recht der adligen Ehe für sich und ihre Nachkommen. Erst über das adlige Blut der Frau kam der Adel in die Familie und konnte nach drei Generationen zum Wahlrecht führen. Andererseits konnte der Adel durch Ehen mit Nichtadligen ausgewaschen werden und zum Verlust der Adelsrechte führen. Da diese seit den polnischen Teilungen nicht mehr geltendes Recht waren und spätestens mit der polnischen Nationalbewegung auch die Vermischung mit den Kmetonen üblich wurde, kann von einem existierenden polnischen Blutadel eigentlich nicht mehr gesprochen werden. Der Adel ist in der neuen polnischen Nation aufgegangen und entwickelte eine Oberschicht, die nun als polnische „Intelligenz" bezeichnet wird.

Das Adelsrecht folgte spätestens mit der Ausbildung der Adelsrepublik dem Gleichheitsgrundsatz und somit einem Leistungsgedanken. Die Stellung innerhalb der Gesellschaft war an den Erwerb von Bildung und Ämtern gekoppelt und dem Prinzip nach durchlässig. Der ärmste Edelmann konnte aufsteigen, Wojewode oder gar König werden. Titel und Titulaturen wurden durch den Reichstag verboten, weil sie die Gleichheit störten. Reichtum und Einfluss spiegelten sich in lateinischen Bezeichnungen wieder, die in Verzeichnissen den Namen beigefügt werden. So erhielten Gutsbesitzer ein „G.D." („Generosus Dominus") und Besitzer von mehreren Gütern oder Dörfern ein „M.D." (Magnificius Dominus").

Es gab eine Fülle solcher Bezeichnungen die bei einer Person auch wechseln konnten. Um 1750 werden sie in Kirchenbüchern noch gern genutzt und spiegeln die Stellung einer Familie kurz vor den Teilungen wieder. Sie sind Ausfluss der realen Bedeutung einer Familie in einer bestimmten Region und auch Beleg für die Zugehörigkeit zum Adel. Der Adel ist keine Angelegenheit einer einzelnen Person, sondern immer einer Region und einer Gesamtfamilie. Das gilt auch für die polnische Namensendung „ski", die ab 1600 für Landbesitzer üblich wurde. Frauen schreiben sich übrigens mit „ska" und bei der Familie ist ein „scy" zu schreiben. Es sind Wohngutnamen die mit den Besitzungen wechseln konnten.

Da nur Adlige eigenes Land besitzen durften, sind diese Endungen ein Hinweis auf den Adel. Genaue Gewissheit gibt natürlich der Besitz eines Wappens. Da in der Adelsrepublik keine Genealogie betrieben wurde, war und ist es aber oft schwierig ein Wappen nachzuweisen. Ein Betrug wäre also theoretisch möglich, in der Praxis aber kaum durchzuhalten. Adlige Verhaltensweisen, einschließlich Bildung und Frömmigkeit, sind schwer zu kopieren, und würden in eine Lebenslüge führen, die gerade in einer adligen Ehe zusammenbrechen muss.

Kommen wir nun zum Sarmatismus und seinen Auswirkungen. Woher die Idee des Sarmatismus kam, ist nicht leicht zu beantworten. Vielleicht stand der Wunsch Pate von den alten Sarmaten abstammen zu wollen. Die Vorstellung bestimmte erheblich den Alltag der adligen Gesellschaft und fand Eingang in Denkstrukturen, Verhaltensweisen, Kleidung und Literatur. Das Leben auf dem Landgut, die Verbundenheit mit der Natur, die Klarheit des Wassers, die Frische der Luft und die Weite der Felder, wurden als besonderes Glück angesehen. Die Arbeit eines Landwirts und der Waffendienst als Ritter wurden höher bewertet als der Prunk an den Höfen der Magnaten. Auf seinem Gut erlebte sich der Adlige als freier Mann, der niemand untertan ist. Kein Gesetz und keine Steuern, ja nicht einmal das Wort eines Königs galten dort. Wir haben es mit einer Form der absoluten Freiheit zu tun, die ohne Toleranz vor den Freiheit des anderen nicht zu denken ist. So zeichnete sich die Adelsnation durch das Ideal der absoluten Freiheit und anfangs auch durch eine große religiöse Toleranz aus. Erst in der späteren Zeit, vor allem unter dem Eindruck der Gegenreformation, wurde diese Toleranz natürlich aufgeweicht.

Die polnische Adelsrepublik hatte somit bereits wesentliche Bestandteile einer modernen demokratischen Gesellschaft entwickelt. Das heutige Polen kann sich also gut auf die 1. Republik beziehen und über die 2. Republik der Zwischenkriegszeit und des Exils eine Kontinuität zur heutigen 3. Republik herstellen.

Die „Intelligenz" ist als Gesellschaftsschicht das Produkt der polnischen Teilungen und der Industrialisierung. Nach der Deklassierung des polnischen Adels durch die Teilungsmächte und dem Verlust der alten Adelsfreiheiten, folgte eine soziale Degradierung breiter Adelsschichten. Nur die Magnaten konnten ihre gesellschaftliche Stellung erhalten und als Großgrundbesitzer bleibend im deutschen und russischen Adel aufgehen. Der einfache Landadel wurde auf die Stufe von untertänigen Zinsbauern herabgedrückt und verarmte spätestens mit Beginn der Industriellen Revolution. Zu Tausenden verließen Adlige das polnische Preußen und gingen als Arbeiter in die Bergwerke und Fabriken der westlichen Provinzen. Der mittlere Gutsadel flüchtete in seiner Angst vor der Verbauerung in die Städte, wo er in der Illusion sein Herrenleben weiterführen zu können den Weg in die Bürokratie fand und das gesellschaftliche Leben in seinen Salons pflegte. In einer von Würde, Ehre und dem Bedürfnis nach Anerkennung abgeschlossenen Welt, versuchte sich dieser Adel am Leben zu erhalten. Die polnische Intelligenz sollte deshalb nicht mit Kreisen von Intellektuellen verwechselt werden. Das Leben in den Salons, war das Leben einer adligen Gesellschaft, die ohne eigene Bedeutung für das Gemeinwesen, den Zauber der herrschaftlichen Lebensart für sich konservierte.

Während die ehemaligen polnischen Magnaten also den Weg in die Aristokratie der Teilungsmächte fanden, wurde Teile der polnische Intelligenz zur Keimzelle des polnischen Widerstands. Das revolutionäre Paris wurde für viele Adlige Zuflucht und Napoleon Garant für die Wiederherstellung des polnischen Staates.

Dessen Bruder Jerome sollte übrigens König dieses neuen Polens werden. Im Frieden zu Tilsit 1807 ließ sich dieses Vorhaben aus realpolitischen Gründen nicht umsetzten. Das gebildete Polen wurde mit Sachsen verbunden, mit dem es unter August dem Starken bereits in Personalunion stand. Für Jerome wurde deshalb das Königreich Westphalen gebildet und die Polnische Legion marschierte nach Kassel. Dort wurden Teile zum Kader der westphälischen Armee. Jerome erhielt dann auch den Oberbefehl über das westphälisch-sächsisch-polnische Armeekorps.

Wie unterschiedlich die gemeinsame Geschichte bisher bewertet wurde, kann noch an weiteren Beispielen von Sprachregelungen aufgezeigt werden. So wurden die Feldzüge Napoleons von diesem bewusst als „Polnische Kriege" bezeichnet, wobei in Deutschland von „Französischer Fremdherrschaft", „Franzosennot" und „Befreiungskriegen" die Rede ist. Ebenso ist es mit dem „Versailler Vertrag", der in Deutschland aufgrund der hohen Reparationen und der Gebietsabtrennungen im Osten als Unrecht empfunden wurde. Ein Ziel der Nationalsozialisten war deshalb auch die Wiederherstellung der alten Grenzen. Die Bezeichnung „Überfall auf Polen" finde ich persönlich auch unglücklich gewählt, weil ein Überfall ein kurzfristiges Ereignis bezeichnet. Der Feldzug gegen Polen war von vornherein auf Teilung, Beseitigung der polnischen Intelligenz, Germanisierung und Versklavung der restlichen Bevölkerung ausgerichtet. Die nationalsozialistische Propaganda, die Einrichtung der Konzentrationslager für polnische Häftlinge, das Protokoll der Wannseekonferenz und die Säuberungsaktionen von SS und NKWD haben sich tief in das Bewusstsein Polens eingebrannt.

Der polnische Adel und somit die polnische Intelligenz, wurden von den Teilungsmächten immer als besondere Herausforderung angesehen. In 154 Jahren Teilung hat der polnische Adel 8 Aufstände gegen die deutsche Herrschaft durchgeführt. Allein in meiner ostpreußischen Linie gab es zwei nationalpolnische Aktivisten. Mein Urgroßvater spendete noch 1916 für die Aufstellung polnischer Streitkräfte und bei der Volksabstimmung 1920 wurde polnisch votiert. Wir gehörten damit aber bereits zu einer Minderheit im polnischsprachigem Ostpreußen. Die Reste des Polentums versuchte uns schließlich Gauleiter Koch auszutreiben.

Wer den Januar 1945 in Ostpreußen überlebte konnte froh sein, wenn er als unbedenklich eingestuft und nicht verschleppt wurde. Wohl erkannte die kommunistische Führung des neuen Polens den Wert der polnischen Preußen und versuchte sie im Land zu halten. So wurde meinem Großvater durch einen Funktionär entgegnet, „dass es eine Schande für das polnische Volk wäre eine so alte adlige Familie zu verlieren". Meine Großeltern sind 1957 schließlich gegangen, hatten sie ihre nächsten noch lebenden Angehörigen in Kassel, woher meine Großmutter auch stammte.

Bezüglich des Titels der Serie fällt mir auf, dass „Adel in Polen" recht zweideutig ist. Ist damit der historische polnische Adel gemeint oder der in der heutigen Republik Polen lebende Adel? Ist damit auch der Adel anderer Länder gemeint der sich dort dauerhaft aufhält und sogar die polnische Staatsbürgerschaft hat? Wie ist es mit Deutschland? Ist im „Adel in Deutschland" nicht auch der Adel anderer Länder eingeschlossen der die deutsche Staatsangehörigkeit hat und dauerhaft hier lebt? Früher wurde zugewanderter Adel doch auch in Adelsmatrikel eingetragen? Wer darf solche Fragen beantworten und gehört dieses Thema überhaupt in eine moderne Republik?

Vielleicht wäre es gut, wenn die Adelsverbände in Deutschland eine gemeinsame Charta entwerfen würden, die der politischen Entwicklung Rechnung trägt und den Adel aller Länder würdigt. So wird der nun selbst deklassierte deutsche Adel der gemeinsamen Geschichte in Europa gerecht und schafft eine dauerhafte Basis für die eigene Existenz.

Ergänzende Literatur nach chronologischer Veröffentlichung:

  1. Wagner, Daniel Ernst (Hrsg.): Geschichte von Polen, Erster Theil, Leipzig
  2. Wagner, Daniel Ernst (Hrsg.): Geschichte von Polen, Zweiter Theil, Leipzig
  3. Wagner, Daniel Ernst (Hrsg.): Geschichte von Polen, Dritter Theil, Leipzig
  4. Brohm, Karl Friedrich August: Geschichte von Polen und Litauen seit der Entstehung dieser Reiche bis auf die neuesten Zeiten, Posen und Leipzig 1810
  5. Geschichte des Königreichs Polen, seiner Auflösung und der Entstehung des Herzogthums Warschau, Leipzig 1812
  6. Geschichte Polens, in: Allgemeine historische Taschenbibliothek für Jedermann, Dreizehnter Theil, Dresden 1827
  7. Soltyk, Roman: Polen geographisch und historisch geschildert mit einer vollständigen Geschichte der Jahre 1830 und 1831, Stuttgart 1834
  8. Źernicki-Szeliga, Emilian von: Der Polnische Adel und die demselben hinzugetretenen andersländischen Adelsfamilien, Generalverzeichnis, Erster Band (A-K), Hamburg 1900
  9. Źernicki-Szeliga, Emilian von: Der Polnische Adel und die demselben hinzugetretenen andersländischen Adelsfamilien, Generalverzeichnis, Zweiter Band (L-Z), Hamburg 1900
  10. Źernicki-Szeliga, Emilian von: Die Polnischen Stammwappen - ihre Geschichte und ihre Sagen, Hamburg 1904
  11. Źernicki-Szeliga, Emilian von: Geschichte des Polnischen Adels, Anhang: Vasallenliste des 1772 Preussen huldigenden Polnischen Adels in Westpreußen, Hamburg 1905
  12. Źernicki-Szeliga, Emilian von: Der Polnische Klein-Adel im 16. Jahrhundert, Nachträge zu: Der Polnische Adel und die demselben hinzugetretenen andersländischen Adelsfamilien; Verzeichnis der in den Jahren 1260-1400 in das Ermland eingewanderten Stammpreussen, Hamburg 1907
  13. Leszczyc, Zbigniew: Herby Szlachty Polskiej, Lwów 1907
  14. Werlhof, Ernst von: Polnische Geschichtsbilder, Leipzig 1920
  15. Chałasiński, Józef: Vergangenheit und Zukunft der polnischen Intelligenz, Marburg/Lahn 1965
  16. Zajączkowski, Andrzej: Hauptelemente der Adelskultur in Polen, Marburg/Lahn 1967
  17. Dedecius, Karl: Überall ist Polen, Zur polnischen Literatur der Gegenwart, Frankfurt/Main 1974
  18. Dedecius, Karl (Hrsg.): Das junge Polen, Literatur der Jahrhundertwende, Polnische Bibliothek Suhrkamp, Frankfurt/Main 1982
  19. Kośny, Witold (Hrsg.): Hoffnung der Besiegten, Erzählungen des polnischen Realismus, Polnische Bibliothek Suhrkamp, Frankfurt/Main 1984
  20. Rzewuski, Henryk: Denkwürdigkeiten des Herrn Soplica, Polnische Bibliothek Suhrkamp, Frankfurt/Main 1986
  21. Hernas, Czesław (Hrsg.): Polnischer Barock, Ein literarisches Lesebuch, Polnische Bibliothek Suhrkamp, Frankfurt/Main 1991
  22. Dachnowski, Jan Karol: Herbarz Szlachty Prus Królewskich z XVII Wieku, Kórnik 1995
  23. Klecel, Marek (Hrsg.): Polen zwischen Ost und West, Polnische Essays des 20. Jahrhunderts, Polnische Bibliothek Suhrkamp, Frankfurt/Main 1995
  24. Pletzing, Christian: Vom Völkerfrühling zum nationalen Konflikt, Deutscher und polnischer Nationalismus in Ost- und Westpreußen 1830-1871, in: Deutsches Historisches Institut Warschau, Quellen und Studien Band 13, Wiesbaden 2003
  25. Klobuczynski, Christian von: Der polnische Adel und die Adelskultur bis zu den polnischen Teilungen 1772, Kassel 2007
  26. Piskorski, Jan M.: Vertreibung und deutsch-polnische Geschichte, Eine Streitschrift, in: Veröffentlichungen der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bundesverband e.V., Band 8, 2. Auflage, Osnabrück 2007

Kassel, den 05. Juli 2011

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