Nationalismus - Germanisierung und Polonisierung im Mittelalter und der Neuzeit

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„Nationalismus - Germanisierung und Polonisierung im Mittelalter und der Neuzeit“, Begriffsklärung in: WIKIa Szlachta [Onlinefassung]; URL:http://www.de.szlachta.wikia.com/, Zugang .. . .. . 20.. .


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Von den Historikern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurde der Begriff Germanisierung vorwiegend für die Besiedlung autochthon slawischer Gebiete wie Mecklenburg, Brandenburg, Pommern, Sachsen, Schlesien, Westpreußen, Ostpreußen, Großpolen sowie magyarischer und rumänischer Gebiete in Ungarn verwendet. Teilweise ging der Germanisierung die Christianisierung voran oder nebenher. Es handelte sich jedoch nicht um eine einseitige „Germanisierung“, weil der hochmittelalterliche Landesausbau in der Germania Slavica („Ostkolonisation“) unter Einbeziehung der slawischen Bevölkerung geschah, wobei gemeinsam völlig neue Siedlungsformen gefunden wurden (z. B. Rundlinge und Angerdörfer), die es in dieser Form im Altsiedelland noch nicht gegeben hatte. Überdies ist es nicht sachgerecht in dieser Periode vom Nationalismus zu sprechen, denn die patriotische Bezugsgröße war der jeweilige feudaler Landesherr.

Größtenteils wurden die Zuwanderer von den dortigen Landesfürsten oder Grundherrn ins Land gerufen, um siedlungsarme oder gänzlich siedlungsfreie Flächen zu kolonisieren. Eine Verdrängung der bereits ansässigen Bevölkerung hätte aus Sicht der lokalen Herrscher keinen Sinn ergeben, zumal ihnen an einer möglichst hohen Anzahl von Untertanen gelegen war, die ihre Macht mehrten. Dabei gab es oft an einem Siedlungsplatz deutsche und slawische Ortsteile nebeneinander. Die Assimilierung und sprachliche Germanisierung der Slawen vollzog sich schleichend und über Jahrhunderte. In der Lausitz konnte sich die Volksgruppe der Sorben trotz ihrer insulären Lage im deutschen Sprachgebiet der vollständigen Germanisierung entziehen, wenngleich die Zukunft der niedersorbischen Sprache als stark gefährdet angesehen werden muss.

Problematisch wurde es mit dem Aufkommen des neuzeitlichen Nationalismus.

In der Adelsrepublik bestand der Versuch des polnischen Reichteils zu Hegemonisierung in der litauischen Reichshälfte sowie in der heutigen Ukraine. Die Wechselwirkung der katholischen Kirche mit der polnischen Sprache wurde Litauisch und die regionale Sprache sowie Latein zu Gunsten der polnischen Sprache vielfach verdrängt. Dies führte in Folge zur einer Polonisierung weiter Teile Litauens, der heutigen Ukraine und Weißrusslands. Im Gegenzug versuche das Moskowiter Reich mit der Wechselwirkung der orthodoxen Kirche eine Russifizierung durchzusetzen.

Innerhalb des deutschen Kaiserreichs betrieb das Königreich Preußen gegenüber seinen Bürgern polnischer Herkunft in den östlichen Provinzen Westpreußen und Posen, durch die Teilungen Polens erworben, eine Politik der Zurückdrängung der polnischen Sprache und Kultur. Die Auseinandersetzung war in erster Linie gekennzeichnet durch Verdrängung der polnischen Sprache im öffentlichen Gebrauch. Der polnische Schulunterricht wurde systematisch zurückgedrängt. 1873 wurde in der Provinz Posen und in Westpreußen Deutsch als alleinige Unterrichtssprache in Volksschulen eingeführt, die Zehntausende von Schülern nicht verstanden. Ausnahme blieben die Fächer Religion und der Kirchengesang.

Im gleichen Zeitraum wurde auch gegenüber den Dänen in dem seit dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 deutschen Schleswig (auch Südjütland) eine repressive Sprachenpolitik ausgeübt. In Nordschleswig wurden die Schulen 1878 zur Hälfte deutschsprachig und 1888 wurde Deutsch schließlich einzige Schulsprache, mit Ausnahme von vier Wochenstunden Religion. Im gleichen Jahr schlossen die Behörden die letzte dänische Privatschule.

In den östlichen Gebieten wurde 1876 und 1877 bei Behörden und an den Gerichten statt der vorherigen Zweisprachigkeit nur noch das Deutsche erlaubt. Ein Dauerkonflikt war garantiert. Im Gegensatz zu den Dänen stellten die Polen eine größere, geschlossene Gruppe dar, waren zahlenmäßig stärker und wussten sich wirtschaftlich zu organisieren. So stellten sie der Preußischen Ansiedlungskommission erfolgreich eigene Organisationen zum Landerwerb gegenüber. Je mehr Maßnahmen der Staat ergriff, desto stärker wurde aber die polnische Agitation.

Am Höhepunkt wurde 1908 das Reichsvereinsgesetz erlassen, das fremdsprachige Versammlungen nur noch an Orten mit mehr als 60 % fremdsprachiger Bevölkerung erlaubte. Das sollte das dänische und vor allem das polnische Vereinswesen treffen. Parallel dazu sollten die polnischen Grundbesitzer vertrieben werden, teils mit gezielten Landaufkauf, teils mit Repressalien (Hausbauverbot). Diese wurden jedoch nicht umgesetzt und konnten durch die Ergebnisse des Ersten Weltkrieges auch nicht mehr realisiert werden.

Nicht zu unterschätzen in der Wirkung ist die schleichende Germanisierung der Familiennamen, teils durch mangelnde Qualifikation der Beamten bedingt, teils durch bewusste Ingerenz in die Persönlichkeitsrechte der teilweise schriftunkundigen Petenten.

Im Gegensatz zum NS-Staat und seiner Germanisierungsbestreben beruhte die Politik des deutschen Kaiserreichs bis auf die zuvor beschriebenen individuellen Handlungen auf rechtsstaatlichen Prinzipien, die es jedem Bürger, also auch denen dänischer oder polnischer Herkunft, freistellten, gegen staatliche Maßnahmen zu klagen, obwohl dieses Recht in Praxis recht theoretischer Natur war.

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